Herr Ackermann
18. Nov 2023

Rastatter Delegation im Konzentrationslager Gurs

Gedenken an die 1940 deportierten Rastatter Bürgern jüdischen Glaubens

Grabsteine

Mit einer Gedenkfeier am Sonntag, 22. Oktober, auf dem Deportiertenfriedhof im südfranzösischen Gurs haben zahlreiche Städte sowie Vertreterinnen und Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaft und der Bundes- und Landesregierung an die Deportation von Jüdinnen und Juden in das südfranzösische Konzentrationslager Gurs erinnert. An der Gedenkfeier nahm auch eine Delegation aus Rastatt teil. Neben dem Rauentaler Ortsvorsteher und Lehrer unserer Schule Thorsten Ackermann und Stadtarchivar Oliver Fieg reisten auch Lucas Lang (10d) und Elisabeth Stil (10c) nach Gurs. Auf der Gedenkfeier wachgerufen wurden die Grausamkeiten, die 6.500 von den Nazis verschleppte Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland vor nunmehr 77 Jahren im Lager Gurs ertragen mussten. Im Konzentrationslager am Fuße der Pyrenäen starben mehr als 1.000 der Deportierten an Hunger, Kälte oder Epidemien. Wer dies überlebte wurde später nach Ausschwitz oder andere Vernichtungslager im Osten deportiert. Nur wenige überlebten.

 

Für die Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung des Deportiertenfriedhofs in Gurs, der die Stadt Rastatt angehört, sprach der Emmendinger Oberbürgermeister Stefan Schlatterer. Er mahnte bei der Gedenkveranstaltung nicht nur der Toten zu gedenken, sondern auch ein Zeichen für Gegenwart und Zukunft zu setzen: „Wir müssen darauf achten, dass neu erstarkende faschistische und nationalistische Kräfte nicht unser Miteinander in Europa bedrohen. Das sind die Aufgabe und der Auftrag, die sich aus den schrecklichen Geschehen in Gurs für die Gegenwart und die Zukunft ergeben.“ Yaakov Yosef Yudkowsky, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, sprach das Totengebet.

Insgesamt waren mehr als 80 Personen aus den Mitgliedsstädten und von der Israelitischen Religionsgemeinschaft dabei sowie Generalkonsulin Stefanie Zeidler und Sandra Boser, Staatssekretärin im Baden-Württembergischen Kultusministerium.

 

Aus Rastatt wurden seinerzeit 30 jüdische Bürger nach Gurs deportiert. Unter ihnen waren auch Josef Julius und Cäcilie Mayer, die in der Josefstraße in Rastatt ein kleines Zigarrengeschäft führten. Mayer, bekannt auch als „Zigarrenmayer“ und „Mayerseppl“, war im Vorstand der Großen Karnevalsgesellschaft, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, der Turnerschaft Rastatt und eines Gesangvereins. Er veröffentlichte etliche Lieder und Gedichte auf seine Vaterstadt Rastatt und genoss bei seinen Mitbürgern großes Ansehen. Das Ehepaar Mayer starb bereits im ersten Winter vor Entkräftung in Gurs und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

Damit dieses Leiden in den Lagern nicht vergessen und die Erinnerung an das Ausmaß des nationalsozialistischen Terrorregimes als Mahnung von Generation zu Generation weitergegeben wird, nahmen auch dieses Jahr wieder Jugendliche an der Gedenkreise teil. Sie bereiten sich in eigenen Seminaren und während einer Jugendfahrt im Vorfeld auf die Gedenkveranstaltung vor.

„Es ist ein großes Bedürfnis aus diesem Anlass, die Grabstellen der in Gurs verstorbenen Rastatter zu besuchen. Der Deportiertenfriedhof in Gurs ist Teil der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, die immer wieder erneuert werden muss.“, so OV und Lehrer Thorsten Ackermann.

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