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02. Apr 2026

Musiktheater an der August-Renner-Realschule „Die Bretterbude"

Eine feinfühlige Annäherung an das Thema Demenz

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Es ist eine heikle Kunst Kindern und Jugendlichen ein schweres Thema wie Demenz auf leichte Weise nahezubringen. Dieses noch dazu mit einem Schülerensemble auf die Bühne zu bringen scheint doppelt schwierig. Die August-Renner-Realschule zeigte in zwei ausverkauften Vorstellungen kurz vor den Osterferien, wie so etwas trotzdem gelingt.

Lehrerin Anna Weber, die das Projekt leitete: „So etwas gelingt an einer Schule nur, wenn viele Kräfte zusammenarbeiten.“ Für „Die Bretterbude“ wirkten Technik AG, Band- und Theater AG, die Inklusionsklasse und das Bläser-Orchester der Schule so erfolgreich zusammen, dass die Zuschauer sich zum nicht enden wollenden Schlussapplaus sogar erhoben.

 

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In „Die Bretterbude“, einer Adaption des Stücks „Sonnenstrahl im Kopfsalat“ von Holger Schober, verliert Oma Paula, langsam ihre Erinnerungen. Dazu verhält sie sich immer seltsamer und schwieriger. Ihre Tochter Christina droht unter der Last der Betreuung ihrer Mutter zusammenzubrechen. Nur mit Enkelin Lotte bleibt Oma Paula so lange es geht in regem Austausch.

Im Wechsel mit dieser Entwicklung verwalten auf einer kleinen Nebenbühne, der besagten Bretterbude, die beiden Aminosäuren „Tyro(sin)“ und „Argi(nin)“ nicht ohne tragisch rührenden Humor das Verschwinden von Oma Paulas Erinnerungen. Dazwischen rufen poetische Bilder und Szenen die schwindende Vergangenheit noch ein letztes Mal auch musikalisch ins Leben. 

Auf diese Weise entsteht ein facetten- und bilderreiches, rhythmisches und oft anrührendes Wechselspiel auf fünf Ebenen um Oma Paulas zunehmende Demenz. Es ist eine emotionale Kollage, die das Publikum mitnimmt. Am Ende wird deutlich: Demenz raubt nicht die Menschenwürde, auch wenn alle Erinnerungen verloren gehen und an ihrer Stelle im Kopf nur eine leere Bretterbude bleibt. Liebe und Mitmenschlichkeit sind dennoch möglich.

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Den beiden begeisternden Aufführungen gingen wochenlange Proben, Aufbauphasen und mehrfache Revisionen des Stückes voraus. Viele Elemente des Spiels hatten Schüler und Lehrer spontan in einer Workshopwoche im Januar außerhalb der Schule entwickelt. Verschiedene Schulensembles arrangierten und erarbeiteten das tragende und anrührende Musikprogramm. Insgesamt waren mehr als 70 Schüler, Lehrer und Helfer im Dauereinsatz für eine rundum gelungene, vielfältige und anrührende Aufführung, die den Spagat zwischen dem schweren Thema und den jugendlichen Darstellern beeindruckend meisterte.

 

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Am Ende wurde ganz deutlich: Kultur an Schule funktioniert! Sie wirkt auch in pädagogisch immer schwierigeren Zeiten positiv ins Schulleben hinein. Und wenn eine Schule, die kein Gymnasium ist, so viel Kultur auf die Beine stellt, kann man sie mit Fug und Recht eine „Kulturschule“ nennen.

Text: Hans-Jürgen Ott

Bilder: Melissa Weber

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